Verdacht auf Kriminalinsolvenz: Was ist bei der Deutschen Lichtmiete los?

Verdacht auf Kriminalinsolvenz: Was ist bei der Deutschen Lichtmiete los?

Verdacht auf Kriminalinsolvenz: Was ist bei der Deutschen Lichtmiete los? 365 53 One Square Advisors
Verdacht auf Kriminalinsolvenz: Was ist bei der Deutschen Lichtmiete los?

Die Deutsche Lichtmiete hat Insolvenzantrag gestellt, vielen Anleiheinvestoren drohen herbe Verluste. Das Beratungshaus One Square sieht nach staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sogar Anhaltspunkte für eine Kriminalinsolvenz. Was ist da los?

05. Januar 2022 – von Sabine Reifenberger (Finance Magazin)

Investoren der Deutschen Lichtmiete müssen sich auf herbe Verluste einstellen. Der Leuchtmittelspezialist hat am 30. Dezember 2021 Insolvenzantrag gestellt, wie das zuständige Amtsgericht in Oldenburg gegenüber FINANCE bestätigt hat. Betroffen sind die Deutsche Lichtmiete AG sowie die Töchter Deutsche Lichtmiete Produktionsgesellschaft und Deutsche Lichtmiete Vermietgesellschaft.

Die Deutsche Lichtmiete hat Schätzungen zufolge rund 200 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt, einen großen Teil davon über Mittelstandsanleihen. Zurzeit prüft das Gericht, ob die rechtlichen Voraussetzungen für den Gang in das Insolvenzverfahren vorliegen und ob weitere Maßnahmen erforderlich sind. Zu solchen Maßnahmen können beispielsweise Sicherungsmaßnahmen zählen.

Der Fall der Deutschen Lichtmiete ist vor allem deshalb brisant, da das Unternehmen auch die Staatsanwaltschaft beschäftigt: Erst vor knapp einem Monat, am 8. Dezember, gab es eine Hausdurchsuchung in den Betriebsräumen der Oldenburger. Die Staatsanwaltschaft geht gemeinsam mit der Zentralen Kriminalinspektion Oldenburg einem Betrugsverdacht nach und ermittelt gegen vier namentlich nicht genannte Personen.

Im Zusammenhang mit der Durchsuchung ließen die Behörden dem Lichtmiete-Management zufolge offenbar auch Konten sperren, so zitiert es das „Handelsblatt“ aus einem internen Schreiben der Lichtmiete-Verantwortlichen. Diese Sperrungen – so die Lesart der Lichtmiete-Führung – hätten letztlich zur Zahlungsunfähigkeit geführt, heißt es demnach in dem Schreiben.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugsverdachts

Die Staatsanwaltschaft und die Kriminalinspektion nehmen in ihren Ermittlungen das Finanzierungsmodell der Deutschen Lichtmiete unter die Lupe. Dieses ist komplex: Das Unternehmen finanzierte sich zunächst über Direktinvestitionen. Anleger kauften bei diesem Modell Leuchtsysteme und vermieteten diese für einen bestimmten Zeitraum an die Deutsche Lichtmiete, die sie wiederum an gewerbliche Kunden weitervermietete. Nach Ende der Mietzeit kaufte die Lichtmiete die Leuchtsysteme zu einem zuvor vereinbarten Preis zurück. Den Investoren versprach das Unternehmen eine jährliche Rendite von mehr als 5 Prozent.

Nun besteht laut Staatsanwaltschaft der Anfangsverdacht, dass die Beschuldigten zu einem (bislang noch nicht geklärten) Zeitpunkt erkannt hätten, dass ihr Investorenmodell nicht tragfähig sei und zur Bezahlung der Anlegerforderungen nicht ausreiche. Diese Erkenntnis sei „möglicherweise während des Laufs der Direktinvestitionsprogramme“ schon aufgetreten. Trotzdem sei weiteres Kapital über Anleihen eingeworben worden. Diese Vorwürfe haben es in sich: Sollte sich dieser Anfangsverdacht bestätigen, würde dies auf ein Schneeballsystem hindeuten.

Lichtmiete nutzte auch Mittelstandsanleihen

Das Ausmaß an verbrannten Finanzmitteln, um das es bei der Deutschen Lichtmiete geht, ist erheblich. Von 2018 an nutzte die Deutsche Lichtmiete mehrfach den Markt für Mittelstandsanleihen, die Volumina der vier Anleihen summieren sich auf insgesamt 120 Millionen Euro. Erst im Februar 2021 hatten die Oldenburger mit einer Anleihe noch 30 Millionen Euro mit Laufzeit bis 2027 aufgenommen, zu einem Kupon von 5,25 Prozent. Die ausstehenden Anleihen der Deutschen Lichtmiete sind nach dem Bekanntwerden der Insolvenzanträge abgestürzt und notieren derzeit bei weniger als 10 Prozent.

Im KFM-Unternehmens-Barometer der auf Mittelstandsanleihen spezialisierten KFM Deutsche Mittelstand AG vom Februar 2021 wurde die Deutsche Lichtmiete AG noch mit vier von fünf möglichen Sternen als „attraktiv“ bewertet. Die hohen Wachstumsraten würden „vom Konzern profitabel gestaltet“, die Bewertung beruhe auf einem „zukunftsträchtigen Geschäftsmodell“ und einer „stabilen Marktstellung“, hieß es im Fazit.

One Square sieht Verdacht auf Kriminalinsolvenz

Nicht einmal ein Jahr nach dieser Einschätzung durch den Mittelstandanleiheninvestor ist das Unternehmen nun insolvent. Das Beratungshaus One Square Advisors, das bereits im Nachgang der Hausdurchsuchung im Dezember die Interessenvertretung für eine Gruppe von Anleiheinvestoren übernommen hat, geht mit der Deutschen Lichtmiete hart ins Gericht. Es mangele an Transparenz, so sei etwa bislang noch keine Gewinn-und-Verlust-Rechnung für das Jahr 2020 veröffentlicht worden, kritisiert das Beratungshaus. One Square vertritt inzwischen nach eigenen Angaben mehr als 150 Investoren, die gemeinsam Anleihen im Gesamtvolumen von nominal mehr als 30 Millionen Euro halten.

Vorsorglich hat das Beratungshaus eine Schutzschrift beim Amtsgericht Oldenburg eingereicht, um zu verhindern, dass die Deutsche Lichtmiete über eine Insolvenz in Eigenverwaltung saniert wird, bei der das bisherige Management weiterhin starken Einfluss behielte. „Die Anhaltspunkte für eine sogenannte Kriminalinsolvenz sind so offensichtlich, dass die Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Rahmen eines Eigenverwaltungsverfahrens aufgrund des Anlasses der möglichen Insolvenz nicht gegeben ist“, begründet One Square diesen Schritt.

Eigenverwaltung wohl bei Lichtmiete vom Tisch

Das Thema Eigenverwaltung ist nach FINANCE-Informationen jedoch schon wieder vom Tisch. Man habe dies anfänglich erwogen, sei davon aber inzwischen wieder abgerückt, um das Verfahren nicht zu belasten, erklärte Sebastian Braun, Fachanwalt für Insolvenzrecht bei der Kanzlei Reinhart Kober Großkinsky Braun, gegenüber FINANCE. Braun hat das Unternehmen bei dem Insolvenzantrag beraten. Marktinformationen zufolge soll als weiterer Berater der Lichtmiete auch Sascha Borowski, Partner bei Buchalik Brömmekamp, mandatiert sein.

Insolvenzrechtler Braun war zuletzt unter anderem Generalbevollmächtigter im vorläufigen Insolvenzverfahren gegen mehrere Gesellschaften der Investmentgruppe UDI, das als Eigenverwaltung beantragt war. Der Antrag auf Eigenverwaltung wurde später zurückgenommen und das Verfahren im vergangenen Herbst als Regelinsolvenz eröffnet.

Wie es mit den Insolvenzanträgen der Deutschen Lichtmiete weitergeht, wird sich nach übereinstimmender Einschätzung von Branchenkennern in den kommenden Tagen klären. Die 2008 gegründete Lichtmiete beschäftigte Ende 2021 rund 120 Mitarbeiter, die nun um ihren Job bangen müssen, und beruft sich auf ihrer Homepage stolz auf mehr als 5.000 „zufriedene Investoren“. Mit deren Zufriedenheit dürfte es spätestens seit dem Jahreswechsel nicht mehr weit her sein.

Artikel: Verdacht auf Kriminalinsolvenz: Was ist bei der Deutschen Lichtmiete los? des Finance Magazins.